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Data Mining

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Alles Wissenswerte zum Thema Data Mining

Wikipedia

Data Mining

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Big Data-Taxonomie des NIST: Data Mining ist ein zentraler Baustein innerhalb der Big Data-Architektur und für die Analyse von Daten verantwortlich.

Data Mining [] (deutsch wortwörtlich: „Daten-Abbau“)[1] bezeichnet als ein Teilgebiet der Informatik und Informationstechnik (IT) die systematische Anwendung statistischer Methoden auf große Datenbestände (z. B. speichert in Datenbanken) mit dem Ziel, neue Querverbindungen und Trends oder Muster zu erkennen und die daraus gewonnene Information weiter zu verwenden.

Entwicklungsgeschichte

In der Praxis wurde der Unterbegriff Data Mining bereits in den 1990er bis 2000er Jahren auf die Prozesse der sogenannten „Knowledge Discovery in Databases[2][3][4], KDD (dt. etwa „Wissensentdeckung in Datenbanken“) übertragen, der auch Schritte wie die computerbasierte Vorverarbeitung und Auswertung der Daten beinhaltet, während Data Mining im engeren Sinne nur den eigentlichen Schritt der Analyse des Prozesses bezeichnet.[5] Gegenstand der Technik waren ursprünglich die relationalen Datenbanken als Teil der Datenbankmodelle.[6][7]

Die interdisziplinäre Technologie bzw. das Fachthema Data Mining stellt seit den 2010er Jahren eine Weiterentwicklung dar und geht mit dem Aufkommen großer Datenmengen einher. Data Mining ist in seiner funktionalen Anwendung ein wesentlicher Bestandteil von Big-Data-Infrastrukturen geworden. Informationen sind grundlegend seit etwa den 2000er Jahren im Zuge des Informationszeitalter vom Analogen ins Digitale verschoben worden („Datafizierung“).

Definition

Fachleute definieren Data Mining als „ein[en] Schritt des KDD-Prozesses, der darin besteht, Datenanalyse- und Entdeckungsalgorithmen anzuwenden, die unter akzeptablen Effizienzbegrenzungen eine spezielle Auflistung von Mustern (oder Modellen) der Daten liefern“.[5]

Nach einer Definition des NIST versteht man unter dem Data Mining einen „analytischen Prozess, der darauf abzielt, in großen Datensätzen Korrelationen oder Muster zu finden, um Daten oder Wissen zu erschließen.“[8]

Begriffsfindung

Der Begriff und das dazugehörige Fachgebiet sind bildlich an den Abbau von Erz angelehnt, wobei es um digitale Daten geht. Eine etablierte deutsche Übersetzung für den englischen Terminus Data Mining existiert jedoch nicht.[9]

Es gab verschiedene Versuche, eine sachlich in allen Aspekten zutreffende deutsche Bezeichnung für den englischen Ausdruck zu finden. Der Duden[10] beschränkt sich auf den eingedeutschten Anglizismus „Data Mining“. Vorschläge zur Eindeutschung sind beispielsweise „Datenmustererkennung[11], was oft als Wiedererkennung bestehender Muster missinterpretiert wird oder „Datenschürfung“, was der Originalbedeutung nicht vollkommen gerecht wird.

Der Fremdwörter-Duden verwendet als wörtliche Übersetzung „Datenförderung“, kennzeichnet dies aber als nicht passende Übersetzung.[12] Auch der gezielte Aufruf nach Vorschlägen durch die Zeitschrift für Künstliche Intelligenz brachte keine überzeugenden Vorschläge.[9] Keiner dieser Bezeichner konnte nennenswerte Verbreitung erreichen, oft da bestimmte Aspekte des Themas wie die Wissensentdeckung verloren gehen, und falsche Assoziationen wie zur Mustererkennung im Sinne von Bilderkennung entstehen.

Gelegentlich wird die deutsche Bezeichnung „Wissensentdeckung in Datenbanken“ verwendet, die den gesamten Prozess umfasst, der auch den Data Mining-Schritt enthält. Des Weiteren betont diese Bezeichnung sowohl die wissenschaftlichen Ansprüche, als auch, dass der Prozess in der Datenbank abläuft. Der Fokus liegt dabei auf der quantitativen Datenauswertung und nicht auf der subjektiven oder qualitativen.

Abgrenzung

Die reine Erfassung, Speicherung und Verarbeitung (vgl. das EDV-Prinzip) von großen Datenmengen wird gelegentlich ebenfalls als Data Mining bezeichnet. Im wissenschaftlichen Kontext bezeichnet Data Mining jedoch primär die Extraktion von Wissen, das „gültig (im statistischen Sinne), bisher unbekannt und potentiell nützlich“[3] ist „zur Bestimmung bestimmter Regelmäßigkeiten, Gesetzmäßigkeiten und verborgener Zusammenhänge“.[10]

Die Bezeichnung Data Mining ist selbst irreführend, denn es geht um die Gewinnung von Wissen aus bereits vorhandenen Daten und nicht um die Generierung oder das Abgreifen von Daten selbst.[13] Die prägnante Bezeichnung hat sich dennoch durchgesetzt.

Weitere Deskriptoren oder Themengebiete, die mit dem Data Mining Berührungspunkte haben, sind:

Technische Elemente

Statistische Basis

Viele der im Data Mining eingesetzten Verfahren stammen eigentlich aus der Statistik, insbesondere der multivariaten Statistik und werden oft nur in ihrer Komplexität für die Anwendung im Data Mining angepasst, oft dabei zu Ungunsten der Genauigkeit approximiert. Der Verlust an Genauigkeit geht oft mit einem Verlust an statistischer Gültigkeit einher, so dass die Verfahren aus einer rein statistischen Sicht mitunter sogar „falsch“ sein können. Für die Anwendung im Data Mining sind oft jedoch der experimentell verifizierte Nutzen und die akzeptable Laufzeit entscheidender als eine statistisch bewiesene Korrektheit.

Das Schließen von Daten auf (hypothetische) Modelle wird als Statistische Inferenz bezeichnet.

Datenbank-Technik

Die Forschung und Entwicklung im Bereich der Datenbanksysteme, insbesondere von Indexstrukturen spielt für das Data Mining eine große Rolle, wenn es darum geht, die Komplexität zu reduzieren. Typische Aufgaben wie Nächste-Nachbarn-Suche können mit Hilfe eines geeigneten Datenbankindexes wesentlich beschleunigt werden und die Laufzeit eines Data Mining-Algorithmus dadurch verbessert werden.

Data Mining und Maschinelles Lernen

Ebenfalls eng verwandt ist das seit den 2010er Jahren aufkommende Thema maschinelles Lernen. Jedoch liegt beim Data Mining der Fokus auf dem Finden „neuer“ Muster, während im maschinellen Lernen primär „bekannte“ Muster vom Computer automatisch in neuen Daten wiedererkannt werden sollen. Eine einfache Trennung ist hier jedoch nicht immer möglich: Werden beispielsweise Assoziationsregeln aus den Daten extrahiert, so ist das ein Prozess, der den typischen Data Mining-Aufgaben entspricht; die extrahierten Regeln erfüllen aber auch die Ziele des maschinellen Lernens. Umgekehrt ist der Teilbereich des unüberwachten Lernens aus dem maschinellen Lernen sehr eng mit Data Mining verwandt. Verfahren aus dem maschinellen Lernen finden oft im Data Mining Anwendung und umgekehrt.

Informationsbeschaffung

→ Hauptartikel: Information Retrieval

Das Information Retrieval (IR) ist ein weiteres Fachgebiet, das von Erkenntnissen des Data Mining profitiert. Hier geht es vereinfacht gesprochen um die computergestützte Suche nach komplexen Inhalten, aber auch um die Präsentation für den Nutzer. Data Mining-Verfahren wie die Clusteranalyse finden hier Anwendung, um die Suchergebnisse und ihre Präsentation für den Nutzer zu verbessern, beispielsweise indem man ähnliche Suchergebnisse gruppiert. Text Mining und Web Mining sind zwei Spezialisierungen des Data Mining, die eng mit dem Information Retrieval verbunden sind.

Die Datenerhebung, also das Erfassen von Informationen in einer systematischen Art und Weise, ist eine wichtige Voraussetzung, um mit Hilfe von Data Mining gültige Ergebnisse bekommen zu können. Wurden die Daten statistisch unsauber erhoben, so kann ein systematischer Fehler in den Daten vorliegen, der anschließend im Data Mining-Schritt gefunden wird. Das Ergebnis ist dann unter Umständen keine Konsequenz der beobachteten Objekte, sondern verursacht durch die Art, in welcher die Daten erfasst wurden.

Verfahren

Das Cross Industry Standard Process for Data Mining (CRISP-DM)[14] ist ein offenes Prozessmodell, das von Data Mining-Experten entwickelt wurde und genutzt werden kann. Es stellt ein Vorgehen und einen Lebenszyklus im Umgang mit Daten (im Zentrum die Datenbank) dar.

Im engeren Sinne ist Data Mining der eigentliche Analyseschritt des Knowledge-Discovery-in-Databases-Prozesses. Die Schritte des iterativen Prozesses (siehe die Schritte des CRISP-DM-Prozessmodell, oben links beginnend) sind grob umrissen:[3]

  1. Aufgabendefinition, Zweck oder Anforderung (Kundenanforderung)
  2. Fokussieren und Verstehen: die Datenerhebung und Selektion, aber auch das Bestimmen bereits vorhandenen Wissens
  3. Daten-Vorverarbeitung: die Datenbereinigung, bei der Quellen integriert und Inkonsistenzen beseitigt werden, beispielsweise durch Entfernen oder Ergänzen von unvollständigen Datensätzen.
  4. Transformation in das passende Format für den Analyseschritt, beispielsweise durch Selektion von Attributen oder Diskretisierung der Werte
  5. Modellierung: Der Data Mining-Schritt selbst, also die eigentliche Analyse
  6. Evaluation der gefundenen Muster durch den Experten und Kontrolle der erreichten Ziele
  7. Einsatz der Ergebnisse oder weiterer Iterationsschritt

In weiteren Iterationen kann nun bereits gefundenes Wissen verwendet („in den Prozess integriert“) werden, um in einem erneuten Durchlauf zusätzliche oder genauere Ergebnisse zu erhalten.

Aufgabenstellungen

Typische Aufgabenstellungen des Data Mining sind:[5][3]

  • Ausreißer-Erkennung: Identifizierung von ungewöhnlichen Datensätzen: Ausreißern, Fehlern, Änderungen
  • Clusteranalyse: Gruppierung von Objekten aufgrund von Ähnlichkeiten
  • Klassifikation: bisher nicht Klassen zugeordnete Elemente werden den bestehenden Klassen zugeordnet.
  • Assoziationsanalyse: Identifizierung von Zusammenhängen und Abhängigkeiten in den Daten in Form von Regeln wie „Aus A und B folgt normalerweise C“.
  • Regressionsanalyse: Identifizierung von Beziehungen zwischen (mehreren) abhängigen und unabhängigen Variablen
  • Zusammenfassung: Reduktion des Datensatzes auf eine kompaktere Beschreibung ohne wesentlichen Informationsverlust

Diese Aufgabenstellungen können noch grob gegliedert werden in Beobachtungsprobleme (Ausreißer-Erkennung, Clusteranalyse) und Prognoseprobleme (Klassifikation, Regressionsanalyse).

Ausreißer-Erkennung

→ Hauptartikel: Ausreißer

In dieser Aufgabe werden Datenobjekte gesucht, die inkonsistent zu dem Rest der Daten sind, beispielsweise indem sie ungewöhnliche Attributswerte haben oder von einem generellen Trend abweichen. Das Verfahren Local Outlier Factor sucht beispielsweise Objekte, die eine von ihren Nachbarn deutlich abweichende Dichte aufweisen, man spricht hier von „dichtebasierter Ausreißer-Erkennung“.

Identifizierte Ausreißer werden oft anschließend manuell verifiziert und aus dem Datensatz ausgeblendet, da sie die Ergebnisse anderer Verfahren verschlechtern können. In manchen Anwendungsfällen wie der Betrugserkennung sind aber gerade die Ausreißer die interessanten Objekte.

Clusteranalyse

→ Hauptartikel: Clusteranalyse

Bei der Clusteranalyse geht es darum, Gruppen von Objekten zu identifizieren, die sich auf eine gewisse Art ähnlicher sind als andere Gruppen. Oft handelt es sich dabei um Häufungen im Datenraum, woher der Begriff Cluster kommt. Bei einer dichteverbundenen Clusteranalyse wie beispielsweise DBSCAN oder OPTICS können die Cluster aber beliebige Formen annehmen. Andere Verfahren wie der EM-Algorithmus oder k-Means-Algorithmus bevorzugen sphärische Cluster.

Objekte, die keinem Cluster zugeordnet wurden, können als Ausreißer im Sinne der zuvor genannten Ausreißer-Erkennung interpretiert werden.

Klassifikation

→ Hauptartikel: Klassifikationsverfahren

Bei der Klassifikation geht es ähnlich der Clusteranalyse darum, Objekte Gruppen (hier als Klassen bezeichnet) zuzuordnen. Im Gegensatz zur Clusteranalyse sind hier aber in der Regel die Klassen vordefiniert (Beispielsweise: Fahrräder, Autos) und es werden Verfahren aus dem maschinellen Lernen eingesetzt, um bisher nicht zugeordnete Objekte diesen Klassen zuzuordnen.

Assoziationsanalyse

→ Hauptartikel: Assoziationsanalyse

In der Assoziationsanalyse werden häufige Zusammenhänge in den Datensätzen gesucht und meist als Schlussregeln formuliert. Ein beliebtes (wenn auch anscheinend fiktives) Beispiel, das unter anderem in der Fernsehserie Numbers – Die Logik des Verbrechens erwähnt wurde, ist folgendes: bei der Warenkorbanalyse wurde festgestellt, dass die Produktkategorien „Windeln“ und „Bier“ überdurchschnittlich oft zusammen gekauft werden, meist dargestellt in Form einer Schlussregel „Kunde kauft Windeln Kunde kauft Bier“. Die Interpretation dieses Ergebnisses war, dass Männer, wenn sie von ihren Ehefrauen Windeln kaufen geschickt werden, sich gerne noch ein Bier mitnehmen. Durch Platzierung des Bierregals auf dem Weg von den Windeln zur Kasse konnte angeblich[15] der Bierverkauf weiter gesteigert werden.

Regressionsanalyse

→ Hauptartikel: Regressionsanalyse

Bei der Regressionsanalyse wird der statistische Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Attributen modelliert. Dies erlaubt unter anderem die Prognose von fehlenden Attributswerten, aber auch die Analyse der Abweichung analog zur Ausreißer-Erkennung. Verwendet man Erkenntnisse aus der Clusteranalyse und berechnet separate Modelle für jeden Cluster, so können typischerweise bessere Prognosen erstellt werden. Wird ein starker Zusammenhang festgestellt, so kann dieses Wissen auch gut für die Zusammenfassung genutzt werden.

Zusammenfassung

Da Data Mining oft auf große und komplexe Datenmengen angewendet wird, ist eine wichtige Aufgabe auch die Reduktion dieser Daten auf eine für den Nutzer handhabbare Menge. Insbesondere die Ausreißer-Erkennung identifiziert hierzu einzelne Objekte, die wichtig sein können; die Clusteranalyse identifiziert Gruppen von Objekten, bei denen es oft reicht, sie nur anhand einer Stichprobe zu untersuchen, was die Anzahl der zu untersuchenden Datenobjekte deutlich reduziert. Die Regressionsanalyse erlaubt es, redundante Informationen zu entfernen und reduziert so die Komplexität der Daten. Klassifikation, Assoziationsanalyse und Regressionsanalyse (zum Teil auch die Clusteranalyse) liefern zudem abstraktere Modelle der Daten.

Mit Hilfe dieser Ansätze wird sowohl die Analyse der Daten als auch beispielsweise deren Visualisierung (durch Stichproben und geringere Komplexität) vereinfacht.

Spezialisierungen

Während die meisten Data Mining-Verfahren versuchen, mit möglichst allgemeinen Daten umgehen zu können, gibt es auch Spezialisierungen für speziellere Datentypen.

Textmining

→ Hauptartikel: Textmining

Im Textmining geht es um die Analyse von großen textuellen Datenbeständen. Dies kann beispielsweise der Plagiats-Erkennung dienen oder um den Textbestand zu klassifizieren.

Webmining

→ Hauptartikel: Web Mining

Beim Webmining geht es um die Analyse von verteilten Daten, wie es Internetseiten darstellen. Für die Erkennung von Clustern und Ausreißern werden hier aber nicht nur die Seiten selbst, sondern insbesondere auch die Beziehungen (Hyperlinks) der Seiten zueinander betrachtet. Durch die sich ständig ändernden Inhalte und die nicht garantierte Verfügbarkeit der Daten ergeben sich zusätzliche Herausforderungen. Dieser Themenbereich ist auch eng mit dem Information Retrieval verbunden.

Zeitreihenanalyse

→ Hauptartikel: Zeitreihenanalyse

In der Zeitreihenanalyse spielen die temporalen Aspekte und Beziehungen eine große Rolle. Hier können mittels spezieller Distanzfunktionen wie der Dynamic-Time-Warping-Distanz bestehende Datam Mining-Verfahren verwendet werden, es werden aber auch spezialisierte Verfahren entwickelt. Eine wichtige Herausforderung besteht darin, Reihen mit einem ähnlichen Verlauf zu erkennen, auch wenn dieser etwas zeitlich versetzt ist, aber dennoch ähnliche Charakteristika aufweist.

Probleme

Daten-Defekte

Viele der Probleme bei Data Mining stammen aus einer ungenügenden Vorverarbeitung der Daten oder aus systematischen Fehlern und Verzerrung bei deren Erfassung. Diese Probleme sind oft statistischer Natur und müssen bereits bei der Erfassung gelöst werden: aus nicht repräsentativen Daten können keine repräsentativen Ergebnisse gewonnen werden. Hier sind ähnliche Aspekte zu beachten wie bei der Erstellung einer repräsentativen Stichprobe.

Parametrisierung

Die im Data Mining verwendeten Algorithmen haben oft mehrere Parameter, die geeignet zu wählen sind. Mit allen Parametern liefern sie gültige Ergebnisse, und die Parameter so zu wählen, dass die Ergebnisse auch nützlich sind, ist eine Aufgabe des Benutzers. Wählt man beim Clusteranalyse-Algorithmus DBSCAN beispielsweise die Parameter und klein, so findet der Algorithmus eine fein aufgelöste Struktur, neigt aber auch dazu, Cluster in kleine Stücke zu zerteilen. Wählt man die Parameter größer, so findet er nur noch die Hauptcluster, die jedoch schon bekannt sein können, und dadurch auch nicht hilfreich. Weiterentwickelte Methoden haben oft weniger Parameter oder diese Parameter sind leichter zu wählen. Beispielsweise ist OPTICS eine Weiterentwicklung von DBSCAN, die den Parameter weitgehend eliminiert.

Evaluation

Die Bewertung von Data Mining-Ergebnissen stellt den Benutzer vor das Problem, dass er einerseits neue Erkenntnisse gewinnen möchte, andererseits Verfahren dann nur schwer automatisiert bewerten kann. Bei Prognoseproblemen wie der Klassifikation, Regressionsanalyse und Assoziationsanalyse lässt sich hier die Prognose auf neuen Daten zur Bewertung verwenden. Bei Beschreibungsproblemen wie der Ausreißer-Erkennung und der Clusteranalyse ist dies schwieriger. Cluster werden meist intern oder extern bewertet, also anhand ihrer mathematischen Kompaktheit oder ihrer Übereinstimmung mit bekannten Klassen.[16] Die Ergebnisse von Ausreißer-Erkennungs-Verfahren werden mit bekannten Ausreißern verglichen. Bei beiden stellt sich jedoch die Frage, ob diese Bewertung wirklich zur Aufgabenstellung der „neuen Erkenntnisse“ passt und nicht letztlich die „Reproduktion alter Erkenntnisse“ bewertet.

Interpretation

Als statistische Verfahren analysieren die Algorithmen die Daten ohne Hintergrundwissen über deren Bedeutung. Daher können die Verfahren meist nur einfache Modelle wie Gruppen oder Mittelwerte liefern. Oftmals sind die Ergebnisse als solche nicht mehr nachvollziehbar. Diese maschinell gewonnenen Ergebnisse müssen aber anschließend noch von dem Benutzer interpretiert werden, bevor man sie wirklich als Wissen bezeichnen kann.

Anwendungsgebiete

Data Mining in der Industrie

Neben den Anwendungen in den verwandten Bereichen der Informatik findet Data Mining auch zunehmend Einsatz in der Industrie:

  • Prozessanalyse und -optimierung:
    • Mit Hilfe des Data Mining lassen sich technische Prozesse analysieren und die Zusammenhänge der einzelnen Prozessgrößen untereinander ermitteln. Dies hilft bei der Steuerung und Optimierung von Prozessen. Erste erfolgreiche Ansätze konnten bereits in der chemischen Industrie und Kunststoffverarbeitung erreicht werden.[19]
  • Analyse von Produktdaten: auch Daten aus dem Produktlebenszyklus können mittels Data Mining analysiert werden. Diese Daten fallen insbesondere bei Wartung und Service an. Sie lassen sich zur Optimierung und Weiterentwicklung des Produktes verwenden und können dazu beitragen, Innovationen zu generieren[20].

Educational Data Mining

Data Mining hat ebenfalls in der Lehre, vor allem der Hochschullehre Einzug erlangt. Im Bildungsbereich spricht man von Educational Data Mining, mit dem in der Pädagogik das Ziel verfolgt wird „aus einer riesigen Datenmenge überschaubare Typen, Profile, Zusammenhänge, Cluster und darauf bezogen typische Abfolgen, Zusammenhänge und kritische Werte zu ermitteln.“ Aus den ermittelten Daten werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, um pädagogische Prozesse planen zu können.[21]

Rechtliche, moralische und psychologische Aspekte

Data Mining als wissenschaftliche Disziplin ist zunächst wertneutral. Die Verfahren erlauben die Analyse von Daten aus nahezu beliebigen Quellen, beispielsweise Messwerte von Bauteilen oder die Analyse von historischen Knochenfunden. Beziehen sich die analysierten Daten jedoch auf Personen, so entstehen wichtige rechtliche und moralische Probleme; typischerweise aber bereits bei der Erfassung und Speicherung dieser Daten, nicht erst bei der Analyse, und unabhängig von der konkret verwendeten Analysemethode (Statistik, Datenbankanfragen, Data Mining, …).

Rechtliche Aspekte

→ Hauptartikel: Datenschutz und Personenbezogene Daten

Daten, die unzulänglich anonymisiert wurden, können möglicherweise durch Datenanalyse wieder konkreten Personen zugeordnet (deanonymisiert) werden. Typischerweise wird man hier jedoch nicht Data Mining einsetzen, sondern einfachere und spezialisierte Analysemethoden zur Deanonymisierung. Eine derartige Anwendung – und vor allem die unzulängliche Anonymisierung zuvor – sind dann möglicherweise illegal (nach dem Datenschutzrecht). So gelang es Forschern beispielsweise anhand weniger Fragen Nutzerprofile eindeutig in einem sozialen Netzwerk zu identifizieren.[22] Werden beispielsweise Bewegungsdaten nur pseudonymisiert, so kann mit einer einfachen Datenbankanfrage (technisch gesehen kein Data Mining!) oft der Nutzer identifiziert werden, sobald man seinen Wohnort und Arbeitsplatz kennt: die meisten Personen können anhand der 2–3 Orte, an denen sie am meisten Zeit verbringen, eindeutig identifiziert werden.

Das Datenschutzrecht spricht allgemein von der „Erhebung, Verarbeitung oder Nutzung“ personenbezogener Daten, da diese Problematik nicht erst bei der Verwendung von Data Mining auftritt, sondern auch bei der Verwendung anderer Analysemethoden (bspw. Statistik). Ein zuverlässiger Schutz vor einer missbräuchlichen Analyse ist nur möglich, indem die entsprechenden Daten gar nicht erst erfasst und gespeichert werden.

Moralische Aspekte

Die Anwendung von Data Mining-Verfahren auf personenbeziehbare Daten wirft auch moralische Fragen auf. Beispielsweise, ob ein Computerprogramm Menschen in „Klassen“ einteilen sollte. Zudem eignen sich viele der Verfahren zur Überwachung und für eine fortgeschrittene Rasterfahndung. So stellt beispielsweise der SCHUFA-Score eine durch Statistik, vielleicht auch Data Mining, gewonnene Einteilung der Menschen in die Klassen „kreditwürdig“ und „nicht kreditwürdig“ dar und wird entsprechend kritisiert.

Psychologische Aspekte

Data Mining-Verfahren selbst arbeiten wertneutral und berechnen nur Wahrscheinlichkeiten, ohne die Bedeutung dieser Wahrscheinlichkeit zu kennen. Werden Menschen jedoch mit dem Ergebnis dieser Berechnungen konfrontiert, so kann das überraschte, beleidigte oder befremdete Reaktionen hervorrufen. Daher ist es wichtig abzuwägen, ob und wie man jemanden mit derartigen Ergebnissen konfrontiert.

Google gewährt seinen Nutzern Einblick in die für sie ermittelten Zielgruppen[23]  – sofern kein Opt-out erfolgt ist – und liegt dabei oft falsch. Eine amerikanische Kaufhauskette kann aber anhand des Einkaufsverhaltens erkennen, ob eine Kundin schwanger ist.[24] Mit Hilfe dieser Information können gezielt Einkaufsgutscheine verschickt werden. Selbst eine Vorhersage des Datums der Geburt ist so möglich.

Softwarepakete

Literatur

Folgende Literatur liefert einen Überblick über das Gebiet Data Mining aus Sicht der Informatik. Siehe auch die Literatur zum Maschinellen Lernen bzw. moderner Künstlicher Intelligenz, dem Information Retrieval und Entscheidungsunterstützungssystemen.

Fachbücher

  • Sholom M. Weiss, Nitin Indurkhya: Predictive Data Mining: A Practical Guide. Morgan Kaufmann, Burlington, MA 1997, ISBN 1-55860-403-0 (englisch). 
  • Martin Ester, Jörg Sander: Knowledge Discovery in Databases: Techniken und Anwendungen. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2000, ISBN 978-3-540-67328-6, doi:10.1007/978-3-642-58331-5
  • Graham J. Williams, Simeon J. Simoff (Hrsg.): Data Mining: Theory, Methodology, Techniques, and Applications (= David Hutchison u. a. [Hrsg.]: Lecture Notes in Computer Science. Band 3755). Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-32547-5, doi:10.1007/11677437 (englisch). 
  • Ian H. Witten, Eibe Frank, Mark A. Hall: Data Mining: Practical Machine Learning Tools and Techniques. 3. Auflage. Morgan Kaufmann, Burlington, MA 2011, ISBN 978-0-12-374856-0 (englisch, waikato.ac.nz – Software zum Buch: WEKA). 
  • Florin Gorunescu: Data Mining: Concepts, Models and Techniques (= Janusz Kacprzyk, Lakhmi C. Jain [Hrsg.]: Intelligent Systems Reference Library. Band 12). Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-19720-8, doi:10.1007/978-3-642-19721-5 (englisch). 
  • Jiawei Han, Micheline Kamber, Jian Pei: Data Mining: Concepts and Techniques (= Morgan Kaufmann series in data management systems). 3rd Auflage. Elsevier/Morgan Kaufmann, Amsterdam Boston 2012, ISBN 978-0-12-381479-1 (englisch). 
  • Charu C. Aggarwal: Data Mining: The Textbook. Springer International Publishing, Cham 2015, ISBN 978-3-319-14141-1, doi:10.1007/978-3-319-14142-8 (englisch). 
  • Salvador García, Julián Luengo, Francisco Herrera: Data Preprocessing in Data Mining (= Intelligent Systems Reference Library. Band 72). Springer International Publishing, Cham 2015, ISBN 978-3-319-10246-7, doi:10.1007/978-3-319-10247-4 (englisch). 
  • Claude Sammut, Geoffrey I. Webb (Hrsg.): Encyclopedia of Machine Learning and Data Mining. Springer US, Boston, MA 2017, ISBN 978-1-4899-7685-7, doi:10.1007/978-1-4899-7687-1 (englisch). 
  • Max A. Bramer: Principles of Data Mining (= Undergraduate topics in computer science). 4th Auflage. Springer, London 2020, ISBN 978-1-4471-7493-6 (englisch). 
  • R. Uday Kiran, Philippe Fournier-Viger, Jose M. Luna, Jerry Chun-Wei Lin, Anirban Mondal (Hrsg.): Periodic Pattern Mining: Theory, Algorithms, and Applications. Springer Singapore, Singapore 2021, ISBN 978-981-16-3963-0, doi:10.1007/978-981-16-3964-7 (englisch). 

Jürgen Cleve, Uwe Lämmel: Data Mining: Datenanalyse für Künstliche Intelligenz. 4. Auflage. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2024, ISBN 978-3-11-138726-0

Weblinks

Wiktionary: Data-Mining – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Eintrag Data-Mining. In: duden.de. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  2. Gregory Piatetsky-Shapiro, William Frawley (Hrsg.): Knowledge Discovery in Databases. AAAI Press, ISBN 978-0-262-66070-9 (englisch).
  3. a b c d Martin Ester, Jörg Sander: Knowledge Discovery in Databases. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2000, ISBN 978-3-540-67328-6, doi:10.1007/978-3-642-58331-5 (springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
  4. Usama Fayyad: Knowledge Discovery in Databases: An Overview. In: Relational Data Mining. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2001, ISBN 978-3-642-07604-6, S. 28–47, doi:10.1007/978-3-662-04599-2_2 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
  5. a b c Usama Fayyad, Gregory Piatetsky‐Shapiro, Padhraic Smyth: From Data Mining to Knowledge Discovery in Databases. In: AI Magazine. Band 17, Nr. 3, 1. September 1996, ISSN 0738-4602, S. 37–54, doi:10.1609/aimag.v17i3.1230 (englisch).
  6. Sašo Džeroski, Nada Lavrač (Hrsg.): Relational Data Mining. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2001, ISBN 978-3-642-07604-6, doi:10.1007/978-3-662-04599-2 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
  7. Jiawei Han: Data Mining. In: Encyclopedia of Database Systems. Springer US, Boston, MA 2009, ISBN 978-0-387-35544-3, S. 595–598, doi:10.1007/978-0-387-39940-9_104 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
  8. data mining - Glossary | CSRC. In: NIST. Abgerufen am 17. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  9. a b [Von der Zeitschrift „Künstliche Intelligenz“ …] „wurde ein Wettbewerb durchgeführt, einen adäquaten deutschen Begriff zu finden. Und so leid es mir tut, es wurde kein adäquater deutscher Begriff gefunden.“
    Hans-Peter Kriegel: Datenbanktechniken zur Unterstützung des Wissenserwerbs. In: Heinz Mandl, Gabi Reinmann-Rothmeier (Hrsg.): Wissensmanagement: Informationszuwachs – Wissensschwund? Die strategische Bedeutung des Wissensmanagements. Oldenbourg, München/Wien 2000, ISBN 3-486-25386-7, S. 47–71.
  10. a b Duden online: Duden: Data-Mining: Bedeutung, Rechtschreibung, Grammatik, Herkunft. Bibliographisches Institut, abgerufen am 9. August 2011.
  11. Nicolas Bissantz, Jürgen Hagedorn: Data Mining (Datenmustererkennung). In: WIRTSCHAFTSINFORMATIK. Band 51, Nr. 1, 1. Februar 2009, ISSN 1861-8936, doi:10.1007/s11576-008-0108-z.
  12. Duden – Das Fremdwörterbuch: „engl. eigtl. ‚Datenförderung‘“
  13. Jiawei Han, Micheline Kamber: Data Mining: Concepts and Techniques. Morgan Kaufmann, New York 2001, ISBN 1-55860-489-8, S. 5 (englisch, archive.org – Thus, data mining should have been more appropriately named „knowledge mining from data,“ which is unfortunately somewhat long).
  14. Andrei P. Kirilenko: Introduction to Data Mining. CRISP-DM Process. In: Practical Data Mining with AI for Social Scientists. Springer Nature Switzerland, Cham 2026, ISBN 978-3-031-89688-0, S. 1–21, doi:10.1007/978-3-031-89689-7_1 (englisch, springer.com [abgerufen am 17. August 2026]).
  15. KDnuggets News 00:13, item 23, Publications. Abgerufen am 17. August 2026 (Diese Geschichte ist vermutlich eine moderne Sage. Das Bier wird je nach Variante neben den Windeln, auf dem Weg zur Kasse oder am anderen Ende des Supermarktes (damit der Kunde an möglichst vielen weiteren Produkten vorbeigehen muss) platziert.).
  16. I. Färber, S. Günnemann, H.-P. Kriegel, P. Kröger, E. Müller, E. Schubert, T. Seidl, A. Zimek: On Using Class-Labels in Evaluation of Clusterings. In: MultiClust: 1st International Workshop on Discovering, Summarizing and Using Multiple Clusterings Held in Conjunction with KDD 2010, Washington, DC. 2010 (englisch, oregonstate.edu [PDF]).
  17. Hurmat Ali Shah, Mowafa Househ: Understanding Loneliness Through Analysis of Twitter and Reddit Data: Comparative Study. In: Interactive Journal of Medical Research. Band 14, 14. März 2025, ISSN 1929-073X, S. e49464, doi:10.2196/49464, PMID 40085832, PMC 11953590 (freier Volltext) – (i-jmr.org [abgerufen am 17. Juni 2026]).
  18. Mia Jiming Yang, Sabine Bohnet-Joschko: Thematic Mapping and Evolution of Social Media Mining in Health Research: Hybrid Bibliometric Synthesis. In: Journal of Medical Internet Research. Band 28, 8. Mai 2026, ISSN 1438-8871, S. e86200–e86200, doi:10.2196/86200, PMID 42115141, PMC 13160668 (freier Volltext) – (jmir.org [abgerufen am 17. Juni 2026]).
  19. C. Kugler, T. Hochrein, M. Bastian, T. Froese: Verborgene Schätze in Datengräbern. In: QZ Qualität und Zuverlässigkeit. Band 3, 2014, S. 38–41 (cloudinary.com [PDF]).
  20. Wissen, was gefragt ist: Data Mining kann Innovationen beschleunigen. In: IPH. Abgerufen am 12. März 2018.
  21. Martin Schön, Martin Ebner: Das Gesammelte interpretieren. Educational Data Mining und Learning Analytics. In: L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien.:null, 2013, ISBN 978-3-8442-6594-1, doi:10.25656/01:8367 (pedocs.de [abgerufen am 17. August 2026]).
  22. Sicherheitslücke: IT-Forscher enttarnen Internetsurfer. In: Spiegel Online. Abgerufen am 7. Dezember 2011.
  23. Kontoeinstellungen: Ihr Browser wird nicht unterstützt. In: Google. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  24. How Target Figured Out A Teen Girl Was Pregnant Before Her Father Did. In: Forbes.com. Abgerufen am 16. Februar 2012 (englisch).
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4428654-5 (GND Explorer, lobid, OGND)
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